Jacques Sanche

Jacques Sanche ist seit 2015 als CEO bei Bucher Industries AG tätig. Gleichzeitig sitzt er im Verwaltungsrat der Schweiter Technologies AG. Vor seiner Zeit bei Bucher war Jacques Sanche unter anderem CEO der Belimo Holding AG, Konzernleitungsmitglied der WMH-Walter Meier Holding sowie CEO und Präsident der WMH-Tool Group in Chicago. Seine Laufbahn startete er in verschiedenen Beratungsunternehmen, darunter die Boston Consulting Group in München. Jacques Sanche ist schweizerisch-kanadischer Doppelbürger und absolvierte sein BWL-Studium mit Vertiefung in Wirtschaftsinformatik sowie sein Doktorat an der Hochschule St. Gallen.

«Verstärkt müssen wir Führungskräfte uns um die Kultur kümmern»

Was macht für Sie gute und zeitgemässe Führung aus?
Die besten Resultate habe ich in Situationen erlebt, in welchen sich ein Führungsteam auf eine Strategie geeinigt und diese dann konsequent verfolgt hat. Gute Führung bringt geeignete Personen zusammen, leitet die sinnstiftende, zielorientierte Debatte und fördert die Umsetzung mit Blick auf Resultate. Verstärkt müssen wir Führungskräfte uns um die Kultur und die Werte kümmern. Das eigene Verhalten und dasjenige des Führungsteams setzt Massstäbe. Empathie, Interesse und eine Portion Bescheidenheit im Umgang mit Mitarbeitern sind wichtig, ohne dabei die Authentizität zu verlieren. Gerade jüngere Generationen verlangen nach einem kollegialen Führungsverständnis.

Sie zählen zu den 31% der CEOs der grössten Schweizer Arbeitgeber, die von extern in diese Rolle berufen wurden. Welche Aspekte Ihrer externen Sicht waren besonders wertvoll, und welche stellten eine Herausforderung für Ihre Onboarding-Phase dar?
Von extern kommend war ich gehalten, das Geschäft unvoreingenommen von Grund auf kennenzulernen. Die Informationsflut zwang mich, zu abstrahieren, um auf die Erfolgsfaktoren verschiedener Aktivitäten zu stossen. Verschiedene Geschäftsmodelle und Industrien gesehen zu haben, war für mich sehr hilfreich. Es wurde klar, dass gute Maschinen allein für den Erfolg nicht genügen. Zugang zu Vertriebskanälen, digitale Zusatzleistungen oder eine flächendeckende Serviceorganisation sind ebenso wichtig. Mit dieser Erkenntnis begann ich, Schwerpunkte zu setzen. Hilfreich war, dass ich mit dem VRP einen geeigneten Sparringpartner hatte. Das Spannungsfeld zwischen Weiterführen und Erneuern war somit verkraftbar.

Die Digitalisierung schreitet voran. Welche spezifischen Profile holen Sie deswegen ins Unternehmen, und auf welchen Levels setzen Sie sie ein?
Die Digitalisierung muss von der Führung getragen werden. Wir müssen überzeugt sein, dass wir mittels Informationstechnologie einen Mehrwert für Kunden erzielen können und das zu vertretbaren Kosten. Das beeinflusst die Prioritäten in der Entwicklung, Wertschöpfung etc. IT-technisch bewanderte Führungskräfte sind im Vorteil und kommen derzeit schneller zu neuer Verantwortung. Wir stellen qualifizierte Mitarbeiter mit der notwendigen technischen Ausbildung und Erfahrung ein. Das können Netzwerkspezialisten, Softwareentwickler oder Elektrotechniker sein. In Bucher Industries‘ grösster Division, der Kuhn Group, haben wir die Elektronikabteilung in den letzten 5 Jahren verdoppelt.

Der Ausländeranteil in den Geschäftsleitungen von Schweizer Unternehmen liegt bei 44%. Wie beurteilen Sie die Wichtigkeit der Zuwanderung für Schweizer Unternehmen im Allgemeinen und Ihr Unternehmen im Besonderen?
Die Schweiz hat ihren Wohlstand im Geschäft mit dem Ausland aufgebaut. Bucher Industries ist ein Paradebeispiel dafür. Der Ausländeranteil in der Konzernleitung entspricht so ziemlich dem Durchschnitt der Schweizer Unternehmen. Bucher beschäftigt rund 1000 Personen in der Schweiz. Viele stehen in engem Kontakt mit unseren Produktions- und Vertriebsstandorten im Ausland. Wir holen immer wieder qualifizierte Personen in die Schweiz oder entsenden Mitarbeiter an ausländische Standorte. Das braucht es für eine funktionierende Zusammenarbeit und den Erfolg im globalen Wettbewerb. Genau damit erhalten wir qualifizierte Stellen in der Schweiz. Der Austausch von Mitarbeitern darf für global tätige Unternehmen wie Bucher nicht eingeschränkt werden. Eine Abschottung würde den Wohlstand der Schweiz negativ beeinflussen.

Welche Bedeutung räumen Sie der Gender Diversity in Ihrem Unternehmen ein, und welche Massnahmen haben Sie definiert, um den Frauenanteil in den Führungsgremien zu erhöhen?
Diversität hilft bei der Entscheidungsfindung, weil diese ganzheitlicher und fundierter erfolgt. Dabei geht es um Diversity verschiedener Ausprägungen wie Ausbildung, Alter, Erfahrung und Geschlecht. Letzteres ist für ein Unternehmen mit Schwerpunkt Maschinenbau schwieriger, weil sich Frauen in der Tendenz weniger für unsere Industrie begeistern. Umso wichtiger ist, dass interessierte Frauen bei Bucher ein Umfeld finden, in dem sie Führungsverantwortung übernehmen können. Insbesondere um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist Flexibilität angesagt. Das wird auch zunehmend von den Vätern gefordert.